2014-07 // Nach dem Gerichtstermin: Was die Presse sagt und was wir antworten

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Der Mannheimer Gerichtstermin liegt hinter uns, und die Wellen haben sich nach der Aufregung der letzten Woche etwas gelegt. Natürlich freut uns das große öffentliche Interesse an der Klage gegen die Vergnügungssteuer. Es zeigt: Was der TMV und seine Mitglieder zu sagen haben, ist gesellschaftlich relevant.

Nun ist Zeit, einen Blick auf ein paar Berichte zu werfen, mit denen Presse und Rundfunk über Monika Kochs, ihr Stuttgarter Massage-Institut Dakini und die Klage gegen die Vergnügungssteuer informierten. Allein über fünfzig Online-Redaktionen aus ganz Deutschland berichteten über die Gerichtsverhandlung vom letzten Donnerstag, flächendeckend von den Lübecker Nachrichten bis zum Berchtesgadener Anzeiger. Die meisten Artikel basierten auf Material der Presseagentur dpa von Jonas Schöll, so z.B. der Artikel im Bonner Generalanzeiger.

Die SWR Landesschau Baden-Württemberg brachte einen wohlwollenden Beitrag, der einige wichtige Punkte benennt. „Wir haben auch festgestellt, dass es keine Berührungspunkte mit dem Rotlichtmilieu im Allgemeinen gibt“, lässt man Polizeisprecherin Stephanie Reh aus Stuttgart in dem Beitrag zu Wort kommen. Die Kommentarstimme endet mit dem schönen Ausblick: „Ein Urteil gab es heute nicht. Das kommt schriftlich irgendwann innerhalb der nächsten Wochen. Egal wie es lautet – im Dakini werden wohl weiterhin Gäste zu Tantramassagen begrüßt. Ob mit oder ohne Vergnügungssteuer.“

Die bürgerlich-konservative FAZ schickte ihren politischen Korrespondenten Rüdiger Soldt zur TMV-Pressekonferenz nach Mannheim. Wie zu erwarten war, fiel sein Artikel kritisch aus. Schade eigentlich, dass die FAZ die Kritik nicht auf Sachargumente beschränkte, sondern meinte, ihrem Artikel zusätzlich nach Art des Tendenzjournalismus einen negativen Dreh geben zu müssen. So ist beispielsweise nicht nachvollziehbar, warum Soldt betont, dass das Dakini in Stuttgart „zwei Kilometer entfernt von dem bekannten und verrufenen Rotlicht-Distrikt im Leonhardsviertel“ gelegen ist. Hier werden Zusammenhänge angedeutet, die weder nach Meinung der Polizei noch nach Auffassung der Gerichte in Stuttgart und Mannheim bestehen.

Dankbar darf man Soldt für seine Ehrlichkeit sein, denn er formuliert sein Unverständnis geradeheraus: „Wenn die Tantra-Massagen die ‚Kunst der körperlichen Berührung‘ kultivieren, sie ‚gesundheitsfördernd‘ sind und sogar ‚Herz, Seele und Gedanken‘ erreichen, dann irritiert zumindest der Werbespruch des Verbands: ‚Wir schaffen sexuelle Kultur.‘“ Soldts Irritation macht eines deutlich: In konservativen Kreisen ist es offensichtlich ein Widerspruch, von Gesundheit, Herz, Seele, Gedanken und sexueller Kultur im selben Atemzug zu sprechen. Gehört Sexualität für diese Milieus etwa nach wie vor in die Dunkelheit des privaten Schlafzimmers? Eine Sexualität, die sich selbstbewusst als Teil einer öffentlichen Kultur versteht, muss vor diesem Hintergrund natürlich als anstößig und paradox erscheinen. Drei Dinge auf einmal, Gefühl, Verstand und sexuelle Kultur, das scheint einfach nicht zu gehen.

Uns gibt dies die Gelegenheit, einmal mehr zu betonen: Wir setzen uns für einen selbstbewussten öffentlichen Umgang mit sexuellen Themen ein. Die Tantramassage lässt sich natürlich nicht auf ihren sexuellen Aspekt beschränken. Genau dies ist ja einer der Gründe für die Klage gegen die Vergnügungssteuer. Aber der TMV sieht sich als Akteur, der einen Beitrag dafür leistet, dass erwachsene Menschen in selbstbestimmter und freier Weise einen öffentlichen Diskurs über sexuelle Themen führen können. Wir sehen dies als wichtigen Bestandteil einer sexuellen Kultur an.

Deutlich besser war das Anliegen des TMV bei der Süddeutschen Zeitung angekommen. In ihrer Online-Ausgabe brachte sie ein ausführliches Interview mit Martina Weiser, der Inhaberin der Tantramassagepraxis Ananda in Köln. In der Print-Ausgabe berichtet Max Hägler aus Mannheim. Wir sind froh zu lesen: „Den Gerichtstermin nutzen Monika Kochs und einige mitgereiste Mitstreiter des Tantramassage-Verbands, um endlich klar zu machen, dass Tantra eine ganz neue ‚Klassifizierung von Berührung‘ sei.“ Martina Weiser präzisiert diesen Gedanken im Interview mit der Online-SZ: „Wenn ich Klavier lernen möchte, brauche ich einen fähigen Lehrer und einen Ort, an dem ich darauf spielen darf, es anfassen darf – und an dem auch Reaktionen Raum haben dürfen. Wo es in Ordnung ist, wenn etwas nicht funktioniert oder spontan Lust aufkommt. Ärzten und Psychotherapeuten ist es berufsrechtlich verboten, intime und sexuell stimulierende Berührungen anzuwenden – und das ist auch gut so, weil sie dafür nicht ausgebildet wurden und es sie massiv überfordern würde.“

Während wir gespannt auf das Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg warten, schauen wir uns weiter an, wie sich unsere Arbeit in der Berichterstattung niederschlägt. Bisher sind wir mit dem Ergebnis mehr als zufrieden.

11.07.2014

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